![]() |
GEN FOOD UND GESUNDHEIT |
|
Dr. Rainer K. Liedtke |
|
| Die kleingedruckten Anteile dieses Artikels können ggfs. überlesen werden. Sie dienen als ergänzende Hintergrunds-Information. | |
| IST GEN FOOD "GESUND" ? | |
| *) Wie sich, u.a. aus der Schweizer Volksabstimmung gegen die Produktion von Gen Food darstellt, wird dies Gefährungspotenzial inzwischen aber von der breiten Bevölkerung stärker wahrgenommen. Nach einer Emnid-Umfrage lehnten auch 70% der Deutschen eine Genmanipulation bei Nahrung grundsätzlich ab. In anderen EU-Ländern sieht es vergleichbar aus. Unter den üblichen regulär marktwirtschaftlichen Aspekten dürfte es daher solche Art Erzeugnisse gar nicht im Markt geben. | |
| **) So musste 2005 erst das Oberverwaltungsgericht Münster die Fa. Monsanto per Gerichtsurteil zwingen, Ergebnisse einer Fütterungsstudie zu ihrem genmanipulierten Mais (MON 863) nicht vor der Öffentlichkeit zu verheimlichen. In dieser Studie zeigten sich toxische Effekte (s.u.) Obwohl diese signifikant waren, bewertete dies Monsanto als bedeutungslos und zeigte sich über das Urteil, Daten veröffentlichen zu müssen, die auch für die Verbraucher relevant sind, "enttäuscht". | |
| WAS IST "GEN FOOD" ? | |
| Obgleich umgangssprachlich als Gen Food bezeichnet, handelt es sich hier aber nicht um übliche "Nahrung" ('Food') sondern um neue, künstliche Bioprodukte, Pflanzen bei denen das natürliche (evolutionskonforme) Erbmaterial (Genom*) verändert wurde. Hauptziel der Produzenten solcher Erzeugnisse sind deren wirtschaftliche Eigenziele, wie Ausweitung der Produktion bestimmter Sorten an Pflanzen, die gegen Insekten oder bestimmte äussere Einflüsse wie Pestizide oder Herbizide „resistent“ seien. Teils wird auch vorgebracht, dass man hierüber bestimmte Bestandteile „ernährungsmässig anreichern“ könne oder wolle. | |
| Basismechanismus. Wenn man bei einer natürlichen Nahrungspflanze das Erbmaterial (DNA*) manipuliert, produziert dieses auch neue Proteine (Fremdproteine**). | |
| *) Gen ist ein Erbfaktor, der eine einzelne Einheit an Erbmaterial bildet und entspricht einem Abschnitt der DNA. DNA ist die Abkürzung für Deoxyribonucleinsäure. Sie ist das Molekül in dem die gesamte genetische Information niedergelegt ist. Genom meint das gesamte genetische Material einer Zelle oder Individuums. | |
| **) Körpereigene (natürliche) Proteine (Eiweisse) sind wichtige Körperbausteine. Sie spielen als notwendige Bestandteile unserer Nahrung eine Hauptrolle im Stoffwechsel, u.a. für Wachstum, Struktur, Reparatur von Geweben (Muskel, Bindegewebe, Knorpel, Knochen) sowie Transportvorgänge. Sie bestehen aus zahlreichen Einzelelementen (Aminosäuren), die zu langen Ketten aneinander gereiht sind und teils komplizierte dreidimensionale Strukturen bilden. Fremdproteine besitzen demgegenüber erhebliche toxische Eigenschaften. Sie sind u.a. Bestandteil in zahlreichen hochwirksamen Tier- und Pflanzengiften und wirken dabei u.a. als Hemmstoffe lebenswichtiger Enzyme ("Biogene Gifte"). | |
| Genmanipulierte Pflanzen enthalten somit stets einen Anteil neuer Arten an Proteinen. Dies sind keine „natürlichen" Stoffe, sondern Fremdstoffe (Xenobiotika*). | |
![]() |
|
| *) Xenobiotika bezeichnet Fremdstoffe. Substanzen , die der Körper somit nicht selbst produziert und die auch nicht zur Gruppe essentieller Nahrungsbestandteile (wie z.B. Vitamine, Aminosäüren, Mineralien) für den menschlichen Stoffwechsel gehören. Dies können beispielsweise chemisch synthetisierte Stoffe sein oder Stoffe in der Nahrung, die neu entstanden sind. | |
| Technisch gesehen wird bei dieser auch als so genannte "Grüne" Biotechnologie bezeichneten Technik im Erbmaterial recht freizügig herumgestochert*), denn die Einfügung**) einzelner neuer Eigenschaften erfolgt ohne ausreichende Kenntnis der übergeordneten Regulation (Epigenetik) der Pflanze**). Man weiss daher auch vorher nicht wie die Pflanze als Ganzes auf diesen Eingriff mit einer einzelnen neuen Erbanlage reagiert. | |
| *) Eine übliche Methode zum “Einsetzen” von Genen besteht darin, dass sie technisch weitgehend ungezielt in die DNA “hineingeschossen” werden sollen. Dabei hofft man, dass wenigstens einige hier und da ihren Platz in der DNA der Wirtszellen finden. Diese Art an Roulette stellt sich aber im Produzenten-PR als “höchst präzise Methode” dar. | |
| **) Man nennt diesen Vorgang auch technisch "recombinante DNA Technologie", was nicht anderes besagt, dass natürliches Erbmaterial mit einem hinzugefügten DNA Einsatz („Schnipsel“) der von einem anderen Organismus stammt (auch von Tieren) chemisch "neu kombiniert" wird. | |
| Die wissenschaftlich belegte Erkenntnis, dass ein Gen zudem auch mehrere Proteine erzeugen kann, erklärt einige der „Überraschungen“ die immer wieder auftreten. Als Folge treten bei so manipulierten Pflanzen auch “unvorhergesehene” Änderungen auf, z.B. bei der genmanipulierten Soja-Pflanze von Monsanto finden sich höhere Hitzeempfindlichkeit, sie ist kleiner und stärker verzweigt, hat einen erhöhten Lignin*)-Gehalt und einen veränderten Hormon**)- Haushalt. | |
| *) Lignin ist ein Bestandteil der Zellwände verholzter pflanzlicher Gewebe | |
| **) Hormone sind lebenswichtige Substanzen (so genannte “Botenstoffe”), die in vielen Stoffwechselvorgängen eine Regulierungs- und Kontroll-Funktion ausüben. | |
| Risiko des Vorgehens. Es ist prinzipiell vorhersehbar, dass „punktuelle“ Gen-Manipulation einer Pflanze mit einem artfremden „DNA-Schnipsel“ (z.B. auch von Tieren) deren bisher lebensgerecht abgestimmte biologische Organisation stört und destabilisiert. In der schon Jahrtausende dauernden pflanzlichen Evolution gab es ja auch schon vorher Millionen solcher Einzelereignisse an „Versuch-und-Irrtum", so-genannte Mutationen*) Viele der aus diesen Mutationen resultierenden „Neuproduktionen“ haben das nicht überlebt. Unsere jetzigen Pflanzen gehören daher zu den funktionstüchtig überlebenden Biosystemen, die erst aus diesem Langzeitexperiment der Natur entstanden. Genmanipulateure greifen daher hier erneut und mit willkürlicher Einzelmanipulation in bereits biologisch funktionsfähige Organismen ein. Dies um bei der Pflanze als "ökonomischer" behauptete neue Eigenschaften zu erzwingen. Anders als bei evolutionärer Mutation erfolgt es aber ohne jede Berücksichtigung der Einbettung einer Pflanze in ihr natürliches biologisches Umfeld. So ein Vorgang ist daher biologisch sinnlos und kann eher als eine Art Kriegsführung mit chemischen Mitteln gegen die bisherige natürliche Rolle der Pflanze angesehen werden. Mit weit höherer Wahrscheinlichkeit erzeugt man mit dem Vorgehen auch biologische Systemstörungen (z.B. Störungen der Pflanzenphysiologie, neue Resistenzen, Abkopplung vom biologischen Umfeld, neue Krankheiten) statt „Verbesserungen“. | |
| *) Mutation ist eine bleibende Veränderung des genetischen Materials durch äussere Einflüsse. | |
| ACHTUNG: Oft wird ein irreführender Vergleich mit gentechnischen ARZNEIMITTELN (z.B. Human-Insulin) gezogen. Dies vergleicht aber Äpfel mit Birnen. Arznei-Produktion mittels gentechnisch veränderter Mikroben hat absolut NICHTS mit "grüner" Biotech zu tun. Hier wird lediglich ein anderes technisches Herstellverfahren eingesetzt. Das resultierende Arzneimittel bleibt aber IDENTISCH mit dem natürlichen Produkt. Folglich enthält es auch nicht - in klarem Unterschied zu genmanipulierten Pflanzen - die Verunreinigung durch toxische Proteine. | |
| EINE RISIKO-EINORDNUNG VON "GEN FOOD" | |
| Verbreitung und Ausbreitung. Nahrungsmittel aus gen-manipulierten Pflanzen betreffen, wie beispielsweise unsere Wasser-Qualität, jeden Menschen weltweit. Sie stellen ein globales Problem dar, dessen Folgen sich niemand entziehen kann. Die biologische Selbstausbreitung (s.u.) der Pflanzen ist epidemiologisch vergleichbar mit einer globalen Infektion (Pandemie), die hier aber künstlich geschaffen wurde. | |
| Keine physiologische Nahrung. Genmanipulierte Produkte sind keine natürliche Nahrung sondern sie bringen in unsere bestehende Nahrung lediglich neue Fremdstoffe ein, die giftige Eigenschaften ("biogene Gifte“) haben können. Hieraus stellen sie prinzipiell auch eine potenzielle neue Gesundheitsgefährung dar und müssen dementsprechend toxikologisch*) eingeordnet werden. | |
| Toxizitäts Potenzial. Die potenzielle Gefährlichkeit (Toxizität*) geht von den vom manipulierten Gen-Material produzierten neuen Proteinen**) aus. Über die toxischen und immunologischen (u.a. Allergie) Eigenschaften dieser für den menschlichen Stoffwechsel neuen Stoffe ist meist wenig oder nichts bekannt. Seitens der Toxizität der neuen Proteine braucht es sich hierbei nicht einmal um Langzeiteffekte zu handeln. Ein Versuch mit genmanipulierten Erbsen zeigte bei Mäusen bereits innerhalb 2 Wochen schwerwiegende Lungenschäden (s.u). Die Produzenten genmanipulierter Erzeugnisse verweisen oft auf den nur “geringen Gehalt” solch neuer Proteine. Folglich sei auch ein toxisches oder allergisches Risiko "gering". Das ist wissenschaftlich unhaltbar: Schon in geringsten Mengen toxische Proteine der “Natur” (Schlangengifte, Quallengifte etc.) sind gut bekannt und es ist medizinisches Grundwissen, dass allergische Effekte Körperreaktionen sind, die bereits auf geringste Mengen bestimmter Fremdsubstanzen erfolgen. Zudem ist es ebenso medizinisches Grundwissen, dass auch kleine Dosen toxischer Stoffe, wenn sie regelmässig und längere Zeit den Körper torpedieren, massive Schäden anrichten können. Unter Bezug auf toxische Einflüsse von Proteinen sei hier ergänzend darauf hingewiesen, dass die tödliche Creutzfeld-Jacob'sche Hirnerkrankung (BSE) mit toxischen Wirkungen “anormaler” Proteine (so genannte Prionen) einhergeht, wobei dies über Zufuhr aus Nahrung ausgelöst wird. | |
| Welche sonstigen „kreativen" Effekte mit genmanipulierten Pflanzen noch möglich sind, zeigte Erstellung einer Gen-Mais Variante in Mexiko mit „spermizider“ Wirkung. Simpel gesprochen: Männer, die solche Erzeugnisse essen, können dadurch unfruchtbar werden. | |
| *) Toxizität meint Giftigkeit, Schädlichkeit. Für jeden biologischen Organismus kann sich ein Fremdstoff, in Abhängigkeit von der Dosis und/oder Dauer, schädlich auswirken. Dies gilt auch für Nahrungsbestandteile und genetisch manipulierte Nahrungserzeugnisse. So ist die meist dosisabhängige Toxizität bei Arzneimitteln für das bei jeder Arzneitherapie verbundene Risiko mitverantwortlich. Zur allgemeinen Feststellung eines toxischen Risikos gibt es verschiedene Zahlenwerte aus denen man den Abstand zwischen nützlichen (bei Arzneimitteln ‚therapeutischen‘) und toxischen Effekten abschätzen kann. Für den Einsatz eines Medikamentes beim Patienten muss ein Arzt daher immer die Verhältnismässigkeit zu erwartender positiver Effekte möglichen toxischen Risiken gegenüberstellen. Solche Risiko-Abwägung gilt genauso für Bestandteile/Rückstände in Nahrung und Gebrauchsgegenständen (Gewerbetoxikologie).Für gesunde Verbraucher sollte daher ihr toxisches Nahrungsrisiko prinzipiell Null sein! | |
| **) Körpereigene (natürliche) Proteine (Eiweiss) sind wichtige Körperbausteine. Sie spielen als notwendige Bestandteile unserer Nahrung eine Hauptrolle im Stoffwechsel, u.a. für Wachstum, Struktur, Gewebereparatur (Muskel, Bindegewebe, Knorpel, Knochen) und Transportvorgänge. Sie bestehen aus zahlreichen Einzelelementen (Aminosäuren) die zu Ketten aneinander gereiht sind und teils komplizierte Strukturen bilden. Fremdproteine besitzen aber erheblich toxische Eigenschaften und sind u.a. Bestandteil zahlreicher hochwirksamen Tier- und Pflanzengifte und wirken u.a. als Hemmstoffe lebenswichtiger Enzyme („Biogene Gifte“). | |
| DIE SPITZE DES EISBERGS: Beispiele toxischer Protein-Effekte aus genmanipulierter Nahrung | |
| ▪ Mais. Mäuse zeigten nach Fütterung mit MON 863 (Monsanto) Nieren-Veränderungen (Entzündungen), Zunahme weisser Blukörperchen (Leukocyten), häufiger erhöhte Blutzucker-Spiegel. | |
| ▪ Erbsen. Australische Forscher brachen nach 10 Jahren ihre Versuche mit genmanipulierten Erbsen ab, da diese bei Mäusen immunologisch bedingte Lungenkrankheiten erzeugten. Nach Aussage der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation sei diese Erbse zwar gegen Insektenbefall resistent, doch hätten Mäuse stark auf die neue Nahrung reagiert. Die Reaktion auf das Protein “könne etwas widerspiegeln, was auch bei Menschen passieren könnte". | |
| ▪ Mais: Von der amerikanischen Umweltschutz Agentur Environmental Protection Agency (EPA) bestellte unabhängige Wissenschaftler konstatierten zu einem genmanipulierten Tiermais (StarLink) „mittlere Wahrscheinlichkeit" allergische Reaktionen auszulösen. | |
| ▪ Mais: Prof. T. Traavic (Inst. für Gen-Ökologie, Universität Tromso, Norwegen) untersuchte in einem philippinischen Dorf das Blut von Bauern, die an massiven Darm- und Atemwegserkrankungen litten und fand den „Viruspromotor“ CaMV. CaMV stammte aus Pollen von genmanipuliertem “Bt-Mais” (Bacillus thuringiensis) (Monsanto) der in Umgebung des Dorfes angebaut wurde. 2004 berichtete er in Kuala Lumpur auf einer wissenschaftlichen Konferenz: Der Verdacht sei begründet, dass die Erkrankungen eine Immunreaktion auf diesen Mais seien. Im Blut habe man erhöhte Mengen von drei Antikörpern gemessen, die auf die im Bt-Mais erzeugten Pestizid-Toxine reagieren. | |
| ZUKUNFTSRISIKO GEN FOOD | |
| Es besteht medizinisch begründeter Anlass zur Befürchtung, dass sich für Konsumenten die gentechnische Manipulation pflanzlicher Nahrungsmittel und deren unkontrollierte Ausbreitung, noch zu solch gravierendem Gesundheitsrisiko auswächst, wie es eine bei Nahrung noch zu keiner Zeit dagewesene Gefährdung darstellt. Im längerfristigen Rahmen lässt es an solch katastrophales Scenario denken, das einer gesundheitlichen Grundgefährdung der Bevölkerung mit Pandemie-Charakter entspricht. | |
| ▪ Nicht mehr umkehrbare Langzeitwirkung | |
| Anders als bei mechanischen Gerätschaften sind Manipulationen im Erbgut neuer „Biokreationen“ tiefgreifende Langzeitwirkungen, die sich, wie beispielsweise bei globalen Infektionen, selbst weiterentwickeln und nicht mehr durch äussere Einwirkungen zurückgedreht werden können. Medizinische Folgen können sich ggfs. zunächst erst schleichend über erhöhte Allergie-Raten*) und/oder Zunahme (noch anfangs “unerklärlicher”) “Nahrungsunverträglichkeiten” (Langzeit-Toxizität) bemerkbar machen. | |
| *) Man spricht hier auch von Inzidenz, das ist die Neuerkrankungsrate an einer bestimmten Krankheit in einer Bevölkerung. | |
| ▪ Wirtschaftliche & gesellschaftliche Folgen | |
| Von der medizinischen Problematik abgesehen, erzeugt die sich ausweitende Produktion genmanipulierter Pflanzen auch erhebliche wirtschaftliche und soziale Schäden. Wirtschaftlich kann man diesen Bereich, von kurzfristiger Vorteilsnahme einzelner Produzenten abgesehen, sogar als unsinnig ansehen, da er das Element sich zunehmend selbst wirtschaftlich strangulierenden Vorgehens beinhaltet. | |
| Die Gesamtfolgen erscheinen verheerend: Vermehrte Gesundheitsprobleme der Bevölkerung durch vermehrten Einsatz an Schädlingsbekämpfungsmitteln (Folge neuer Resistenzen), Landverschwendung durch zusätzliche Landrodungen (Monokulturen). Diese Flächen sind aber nur kurzfristig nutzbar, da die Bodenstoff-Reserven rasch ausgelaugt sind (Monokultur). Damit verbunden sind vermehrtes Brachland (dies wiederum unterliegt Bodenerosion mit negativen klimatischen Folgen). Eine kostenträchtige „Alternative“ wären zusätzlich höhere Bodenbelastungen über verstärkte chemische Düngung. Durch verringerte Nahrungsvielfalt in der produzierenden Region enstehen dieser erhöhte und kostspielige neue Nahrungs-Importabhängigkeiten (die sich ihrerseits zunehmend nicht mehr aus Exporten wirtschaftlich gegenfinanzieren lassen): Erhöhte regionale Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Abhängigkeiten der Landwirte*) von den Saatgutproduzenten. Über solche Mechanismen dann auch noch den „Hunger der Welt“ bekämpfen zu wollen wirkt nur noch absurd. | |
| *) Dieser Gesamtmechanismus wurde schon im "Langzeitversuch“ Argentinien (Monsanto-Soja) beschrieben und in einer TV Reportage "Argentinien: Der Teufelskreis Gen-Soja" dargestellt (Arte.TV, 27. Oktober 2005, ARTE von M. Robin, G. Martin, F. Boulègue). Die Aktivitäten von Monsanto wurden von M. Robin et al. kürzlich zudem auch noch einmal bezüglich verschiedener Welt-Regionen, z.B. Südamerika (Paraguay, Brasilien), Indien und USA in einer weiteren ARTE TV Dokumentation "Monsanto, mit Gift und Genen" analysiert (gesendet über WDR, 29. Mai 2008). Dieser Bericht befasst sich speziell mit Monsanto's fragwürdigen Marktstrategien, deren PR sowie rechtlichen Kampagnen gegen Bauern, die nur natürliche biologische Nahrung anbauen wollen. | |
| Missbrauchspotential | |
| Prinzipiell ist auch der technischen Möglichkeit biologischer Manipulation der Nahrungs-Verbraucher durch die Produzenten Tür und Tor geöffnet. Als eine der hierbei gesundheitlich noch eher 'harmloseren' Varianten erscheint die schon oben angegebene „spermizide“ Variante. | |
| Folgen für Nahrungsvielfalt und Umwelt | |
| Durch Zerstörungen naturkonformer Pflanzen- und Tiervielfalt*) wird die Vielfalt und Ausbeute der jetzigen Ernährung eingeschränkt werden. Damit verbunden wird sich aber auch die bestehende Naturlandschaft noch äusserlich drastisch ändern. Man stelle sich dazu schon mal eine Region wie z.B. die italienische Toskana mit nur noch einer Pflanzenart vor, oder auch dass es ggfs. dort nur noch eine Weinsorte gibt (diese dann allerdings mit potenziell toxischen Zusätzen). Zudem infiltrieren die genmanipulierten Pflanzen schleichend die Gen Pools natürlicher Pflanzen**). Die von den Produzenten genmanipulierter Erzeugnisse verbreitete Behauptung “friedlicher Koexistenz” natürlicher und genmanipulierter Pflanzen ist ein Mythos, der bereits als wissenschaftlich widerlegt angesehen werden kann. | |
| *) Studien in Großbritannien (über einen längeren Zeitraum von 4 Jahren) zeigten, dass Gen-Raps auf dem Feld auch die biologische Vielfalt der Insektenpopulation bedroht. Eine ungarische Studie ermittelte bei einer Spezies von Faltern, die Gen-Mais gefressen hatten, eine höhere Sterberate (Mortalität). Möglicherweise ist daher auch das neuerlich beobachtete zunehmende Sterben von Bienenvölkern in diesem Zusammenhang zu sehen. | |
| **) 2004 veröffentlichten zwei unabhängige Labors in den USA ihre Testergebnisse zu konventionellem Saatgut (Mais, Soja Raps; in der englischen Zeitung „The Independent“ zitiert): Danach fand man, dass schon 67% dieses Getreides mit genmanipuliertem Material verseucht war (durch Wind, Bestäubung und andere Ursachen). | |
| WORAUF SOLLTE EIN KONSUMENT GENMANIPULIERTER ERZEUGNISSE ACHTEN? | |
| Die mit den Erzeugnissen so genannter Gen-Food verbundenen Risiken führen für den Nahrungskonsumenten, zwangsweise, zu einer neuen Dimension an persönlicher Risikovorsorge. Die Grundsituation dabei scheint, dass hier, allein verursacht durch einige wenige Produzenten die dieses neue Risiko willkürlich in den Markt freisetzten, nun dem Verbraucher bei seiner Ernährung eine Art “russisches Roulette” zugemutet wird, bei dem er nun auch mit diesen Gefährdungsrisiken allein klar kommen soll. | |
| ▪ Klare Etikettierung. | |
| Nahrungserzeugnisse mit genmanipuliertem Inhalt müssen für Verbraucher deutlich identifizierbar sein*). Jede falsche oder irreführende Etikettierung von Erzeugnissen aus/mit genmanipulierten Pflanzen, die als Nahrung angeboten werden, sollte als erheblich rechtswidrig eingestuft werden, da es als Versuch der Produzenten anzusehen wäre, Verbraucher über gesundheitliche Produktrisiken zu täuschen. | |
| *) Nach EU Richtlinien muss ein Etikett darauf hinweisen, wenn ein Produkt genmanipuliert ist, genmanipuliertes Material (über 0.9%), enthält oder mit Hilfe von Genmanipulation hergestellt wurde (unabhängig ob fremde Erbsubstanz noch nachweisbar oder nicht). Der Hinweis muss auch in normaler Schriftgröße erfolgen und eindeutig formuliert sein als: „genetisch verändert“, „aus gentechnisch verändertem…hergestellt“ oder „enthält genetisch veränderten..”.Auch Restaurants oder Kantinen müssen nach dieser Vorschrift auf der Speisekarte auf genmanipulierte Erzeugnisse hinweisen. | |
| ▪ Umfassender Sicherheitsnachweis | |
| Vom Produzenten zu fordern ist ein lückenloser Nachweis auf Unbedenklichkeit*) ihrer Produkte (Belege zu Toxizität, Teratogenität**, Mutagenität**, Cancerogenität**) sowie biologischer Wechselwirkung (mit anderer Nahrung). Insgesamt sind strengere Regeln als z.B. bei Arzneimitteln zu fordern, da der übliche Verbraucher nicht einer Risikogruppe (Kranke) angehört sondern als gesund einzustufen ist. Für das durch die Produzenten erst neu in den Markt gebrachte Gesundheitsrisiko ist (wie bei Arzneimitteln) eine Produzentenhaftung zu fordern, die Verbraucher gegen verursachte Gesundheitsschäden wirtschaftlich abdeckt. | |
| *) Unbedenklichkeit ist ein (z.B bei Medikamenten) wesentliches Entscheidungsmerkmal, dass die mit einer Anwendung verbundenen möglichen Risiken unerwünschter Wirkungen in einem zum Nutzen vertretbaren Verhältnis stehen. Generell kann man sagen, daß z.B. bei Arzneimitteln, die nur bei leichten Erkrankungen eingesetzt werden, auch nie schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten sollten. Da solch eine Nutzen/Risiko Beziehung bei natürlicher Nahrung überhaupt nicht besteht, darf daher für genmanipulierte Erzeugnisse nicht einmal ein ‚Minimalrisiko‘ für den Verbraucher vorliegen, da ja vorab bei ihm auch kein Risiko (z.B. Krankheit) vorlag. | |
| **) Teratogenität meint eine Missbildung auslösende Wirkung auf das Ungeborene. Stoffe die teratogen wirken, verursachen somit Schädigungen, die sich im äusseren Erscheinungsbild bemerkbar machen, die aber nicht vererbt werden. Mutagenität ist demgegenüber die Eigenschaft von Stoffen eine bleibende Veränderung des genetischen Materials zu bewirken, dies wird daher auch auf die Nachkommenschaft vererbt. Cancerogenität ist die Eigenschaft von Stoffen krebserzeugend zu wirken. | |
| ▪ Individuelle Risikovorsorge | |
| Über die formalen vorgenannten Kontrollen hinaus sollten Konsumenten genmanipulierter Erzeugnisse aber auch bisher übliche Gewohnheiten (bisheriges Sicherheitsverhalten) bei ihrer Nahrung noch ändern. So empfiehlt sich diesen eine Art Buchführung zu Ihrem Essen zu führen, d.h. welche genmanipulierten Produkte man verzehrte und körperliche Eigenbeobachtung (wie bei Arzneimitteln), um ggfs. rechtzeitig Zusammenhänge mit „unerklärlich“ neu auftretenden Krankheiten ermitteln zu können. | |
*** |
© 2010 Rainer K. Liedtke |